Newseintrag vom 16. März 2026

Wie Sensoren die Pflege proaktiv machen

Dragana Leidolt, Pflegedienstleiterin der Klinik für Alterspsychiatrie am Zentrum für Psychiatrie Reichenau (DE) berichtet von ihren Erfahrungen mit zehn cogvis-Bewegungssensoren im Pflegealltag. Sie stellt einen grundlegenden Wandel in der Pflegeplanung fest und zeigt anhand eines konkreten Fallbeispiels, wie sensorgestützte Daten dort Risiken aufdecken, wo klassische Assessments versagen. Ihr Wunsch für die Zukunft: eine noch engere Verzahnung zwischen Sensordaten und Pflegedokumentation.

Hier die Antworten auf unsere Interview-Fragen:

Hat der Sensor euren Pflegealltag verändert und wenn ja, wie?

Die Sensoren bieten einen immensen Vorteil – sie ermöglichen es, die Pflege individuell und datengestützt zu gestalten. Der Sensor erfasst relevante Pflegedaten, analysiert Verhaltensmuster und liefert Informationen, die Pflegekräfte befähigen, proaktiv statt wie bisher lediglich reaktiv zu handeln.

Gab es überraschende Situationen oder Erkenntnisse beim Einsatz der Sensoren?

Die vom Sensor gelieferten Informationen ermöglichen es, potenzielle gesundheitliche Probleme frühzeitig zu erkennen – auch solche, die mit bisher genutzten Assessments nicht zuverlässig erfasst wurden. Ein konkretes Beispiel aus der Praxis: Bei einer Patientin zeigten die standardisierten Risikoassessments kein Dekubitusrisiko an. Die Auswertung der Sensordaten machte jedoch sichtbar, dass sie keine ausreichenden Positionswechsel im Liegen vornahm. Daraufhin wurde der Pflegeprozess evaluiert und die Massnahmen gezielt angepasst. Solche Erkenntnisse wären mit herkömmlichen Methoden kaum zu gewinnen gewesen.

Was erwartet ihr vom Projekt und vom Sensor und was könnte noch fehlen?

Die grafische Darstellung der Sensordaten auf dem Dashboard ist grossartig. Besonders hilfreich wäre es, wenn erfasste Daten – beispielsweise zur Bettmobilität oder Raumaktivität – zusätzlich in numerischer Form aufbereitet werden könnten, sodass sie sich per Copy & Paste direkt in die bestehende Pflegedokumentation einfügen lassen. Konkret wäre etwa folgendes Format vorstellbar: 22:30 Uhr – 03:30 Uhr: hohe Bettmobilität / erhöhte Raumaktivität – gerne noch weiter differenziert. Das ist ein Wunschgedanke – aber einer, der die Alltagsarbeit der Pflegenden spürbar erleichtern würde.

 

  • Dragana Leidolt ZfP Reichenau